Samstag, 30. August 2014

Get on Board unter der Haube - Junggesellenabschied mit dem Hausboot im Elsass


Einen wunderschönen guten Tag,

heute, liebe Leute, geht’s um meinen vor ein paar Wochen stattgefundenen Junggesellenabschied. Gott sei´s gedankt, wurde ich nicht besoffen in ´nem Hasenkostüm und mit komplett hirnverbrannten Aufgaben durch die Stadt gescheucht. Bei so einem Mist hätte ich mich quer gestellt! Nein, es ging auf Hausboot-Tour im Elsass, was auf jeden Fall 'ne geschmeidige Angelegenheit und ganz nach meinem Geschmack ist. 

Blogger@Work auch beim Junggesellenabschied:

Das Wetter passt, es brezelt schön runter, die Meute ist heiß auf Action. Einen Tag vorher gibt’s einen kleinen Rückschlag. Wie mir LeBoat am Telefon verklickert, ist die eigentliche Route nach Strasbourg wegen Hochwasser gesperrt. Schleusen und Kanäle komplett überflutet. Also schnell umdisponiert und auf die Abfahrtsbasis in Hesse umgeswitched. Von dort aus kann man eine nette Tour nach Saverne über das Schiffshebewerk in Arzviller machen. Das Hebewerk war übrigens ein Jahr lang außer Betrieb wegen einem heftigen Zwischenfall und ging grade erst im Mai 2014 wieder online. Aber aus der Tour wird auch nix, verkündet mir die freundliche Dame von LeBoat, denn das Schiffshebewerk ist schon wieder im Eimer und außer Betrieb. Ich nehme mir in diesem Moment vor, nie wieder mit dem Gedanken zu spielen mit einem Schiff über dieses antiquierte Wunder der Technik zu fahren.
Also, was ist die Alternative? Von Hesse aus in der anderen Richtung geht’s ne Weile bis zu einer Gabelung, dort hat man die Wahl entweder Richtung Nancy zu kuttern oder Richtung Saarbrücken. Leider liegen beide Städtchen zu weit weg, als das wir sie an dem verlängerten Wochenende wirklich erreichen könnten und wieder rechtzeitig zurückkehren. Also nehmen wir mit was geht und fahren erst mal Richtung Nancy.


Ganz ohne Peinlichkeit auf 'nem Junggesellenabschied geht’s halt doch nicht und so bekomme ich feierlich meine Begleitung vorgestellt. Sie befindet sich noch in ihrer Verpackung. Ihr ahnt es. Mandy, so heißt die Dame, ist eine Gummipuppe. Ich komme, zur Belustigung aller Anwesenden, nicht drum herum sie aufzublasen und mich mit ihr ablichten zu lassen. Zunächst bemannt sie den Innensteuerstand, klebt aber mit dem Gesicht press an der Scheibe. Daraufhin schult sie zur Gallionsfigur um. Da macht sie sich viel besser und bekommt die Aufmerksamkeit, die sie verdient. Alle Fussgänger, Radfahrer und andere Hausboot-Crews schmunzeln oder lachen, als sie unseren Zierrat am Bug entdecken. Naja, das eine oder andere Elternpaar an Bord eines Family-Hausboots haben wir, angesichts der fragenden Blicke ihrer Kleinen, bei Mandys Anblick, schon etwas in Erklärungsnot gebracht. Sei´s drum.





Auf dem weiteren Weg kommen wir kurz nach besagter Gabelung an einem großen See vorbei. Die Sonne brennt, uns ist heiß, da drüben ist kühles Nass. Also unser Schiff, die Continentale, an die Böschung gelegt, in die Badehosen gehüpft und den Damm rauf geklettert...durch hohes Gras, Disteln und anderes Scheißzeug mit Dornen dran. 



Auf der anderen Seite vom Damm ist schräg in den See abfallend gemauert… da kann man net einfach runterspazieren. Wir haben es bis hierher geschafft, mit zerkratzten und blutenden Beinen, jetzt wird nicht umgekehrt. Also eine Bordleine von den Klampen genommen, fachmännisch an ein Bäumchen getüttelt und als Sicherungsleine benutzt. In weiser Voraussicht hab´ ich mir meine Neopren-Surflatschen angezogen und komme damit die Steine recht fußschonend runter. 





Nach einer ordentlichen Runde Schwimmen der ganzen Mannschaft stellt sich Durst ein, wir müssen zurück an Bord. Der Aufstieg an der Steinwand ist nicht ganz einfach ohne Schuhwerk, hehehe...ich hab ja meine Surflatschen an. Ganz schön glitschig die Dinger. Sandy rutscht mit dem Fuss ab und schlitzt sich die Fußsohle auf. Er trägt es wie ein Kerl und jammert nicht. Blutend zurück an Bord lecken wir unsere Wunden. Die Einen puhlen Spreißel irgendwo aus sich raus, die anderen verarzten ihre Wunden. Ein Junggesellenabschied ohne Verluste ist kein guter. Hoch die Tassen und weiter geht´s. Mucke aufgerissen, Maschine an, Leinen ein und ab an die erste Schleuse. Die ist nicht von schlechten Eltern…16 Meter tief das Teil. Sandy und ich stehen während unserer halbstündigen Wartezeit oben und lunzen in die Tiefe. Zwei Deppen, ein Gedanke. Beim diesjährigen Canyoning waren wir 13 Meter max. gesprungen und 16 Meter ist die nächste logische Steigerung dazu. 

Wir springen nicht in die Schleuse, keine Sorge. Wir würden bei der Landung auf dem Vorschiff des schleusenden Family-Hausboots keine gute Figur machen und überhaupt ist in Schleusen springen eine Scheißidee. Aber für das nächste Canyoning mal die 16 Meter runter zu kucken ist die Schleuse gar nicht schlecht. Diese Schleuse zu befahren ist auch 'ne interessante Sache, die kann was. Nach der Schleuse wird es schon langsam Zeit, sich um einen Liegeplatz für die Nacht zu kümmern. Dort hinter der Schachtschleuse ist ein schönes großes Bassin, das eher Fluss-, als Kanalcharakter hat. Zudem sind wir dort komplett für uns. Kurzerhand machen wir dort fest und hüpfen nochmal 'ne Runde vom Boot ins Wasser.

Langsam macht sich Hunger breit, ein ungebetener Geselle. Also den Gas-Reling-Grill angeschmissen und ran an den Speck. Sandy und ich wursteln zwei Salate zusammen, Christian macht den Grillmeister und ballert das Gerät mit Vollgas. Er denkt, weniger Gas ist technisch nicht möglich und der Rest der Mannschaft macht sich keinen Kopf. Am Ende der Reise sollte sich rausstellen, dass er nur den Regler hätte weiterdrehen müssen, um die Hitze kleiner zu stellen. Was soll´s, grillen wir halt mit Vollgas. Das Fett der Steaks und Würste fängt Feuer und der ganze Grill steht in Flammen, aber hey, irgendwas ist ja immer. Von der Flamme geküsst in Vollendung. Die erste Ladung Gegrillltes zischt leise zum Abschied als sie über Bord in den Kanal segelt. Die schwarze Kruste war doch etwas zu viel des Guten, aber die Fische freuen sich zusehends. Unter strafendem Blick der Hungernden bekommt Christian eine zweite Chance und bändigt die Flammen wie ein Dompteur die Tiger. Die zweite Fuhre passt. Satt und platt fläzen wir bei Schummerlicht auf dem Sonnendeck und chillen bis uns allen die Augen zufallen. Also in die Kojen geschleppt und ab ins Koma. 


Der Grill aus der Hölle...hier zugegebenermaßen noch sehr human!

Nach einer überraschend erholsamen Nacht versammeln wir uns etwas tattrig um den Frühstückstisch, der sich einfach nicht von selbst decken will. Also Hand angelegt und schon läuft das. Kaffeeduft im Schiff belebt die Geister und ehe wir uns versehen, haben wir ein ausgewachsenes Frühstücksgelage. Wir sind früh dran und das ist gut so. Es ist still draußen und das Wasser ruhig. Ein leises Dieseltuckern nährt sich gemächlich, es gibt immer Leute die früher unterwegs sind. Plötzlich erschallt markerschütternd, rau und laut eine höchst begeisterte Männerstimme: „Oahhhh Leute…. die ham 'ne Guummmmiipuuupppeeee!“. Die Besatzung umrahmt diese Mitteilung mit schallendem Jubel. Wir lachen und  jubeln zurück. Es handelt sich bei dem anderen Boot offensichtlich ebenfalls um einen Junggesellenabschied.

Nach dem Frühstück fahren wir weiter und kommen am Mittag an einer Ortschaft vorbei, die für uns den Umkehrpunkt markiert. Dort legen wir uns an einer Marina an die Kaimauer. Während wir Wasser auffüllen, sichert Sandy mit dem Bord-Fahrrad Proviantnachschub und Patrick duscht 'ne Runde. Zu unserem Amüsement findet die Dusch-Action in der Nasszelle auf der Landseite des Schiffs statt was uns, an Land stehend, die zweifelhafte Freude einbringt, Patrick durch das Milchglas zuschauen zu können. Bei der Gelegenheit haben wir das auch gleich mit dem Handy mitgeschnitten, man weiß ja nie wozu das mal gut sein könnte :-). 

Dann geht’s zurück, über die 16 Meter-Schleuse und an der Gabelung Richtung Saarbrücken. Allzu weit Richtung Saarbrücken schaffen wir es heute nicht mehr, denn um 18 Uhr stellen alle Schleusen den Betrieb ein. Über Nacht liegen wir gemütlich zwischen zwei Schleusen im Kanal.

Christian befeuert wieder den Grill aus der Hölle, Sandy und ich rühren Salate an. Wieder verbringen wir den Abend angenehm und feuchtfröhlich auf dem Sonnendeck.

Am dritten und auch schon letzten Tag unserer Tour kuttern wir noch weiter Richtung Saarbrücken. Die Strecke beschert uns den reinsten Schleusenoverkill, führt uns aber auch an einem belebten Badegewässer vorbei. 

An der Schleuse:


Später, als wir vom Schleusen die Schnauze voll haben, drehen wir um und machen beim Badesee fest. Hier ist der Weg zu Fuß zum Wasser etwas leichter, wenn auch nicht ganz ungefährlich. Das kühle Nass tut angesichts der brütenden Hitze gut und auch Mandy gesellt sich zu uns. 



Bevor wir wieder zur Basis zurück fahren, machen wir es uns noch in der angenehmen Sonne auf dem Sonnendeck gemütlich und bestellen Christian wieder zum Grillkaiser. Mittlerweile beherrscht er den Flammenkelch virtuos und kredenzt uns seine mit Abstand beste Performance. Mit vollen Bäuchen machen wir uns auf Richtung Heimathafen, es liegen bis dorthin noch gute vier Stunden Fahrt vor uns. Unterwegs wechseln wir uns am Steuerstand ab und haben so sogar Zeit für das eine oder andere Nickerchen an und unter Deck. 

Ist er nicht süß wie er da so friedlich pennt? ;-)


In Hesse an der LeBoat-Basis wieder fest an der Kaimauer ist Boot schrubben, Packen und Ausräumen angesagt.
Neben uns machen Schweizer mit ihrem Hausboot fest und wollen hier die Nacht verbringen. Sie haben sich mit ihren Getränkevorräten verschätzt und da Sonntag ist, ist mit Nachschub im Supermarkt Essig. Kurzerhand kaufen sie uns unseren kompletten Restbestand an Wasser, Saft, Cola und Bier ab.

Nun heißt es schon wieder Abschied nehmen, schnell wie im Flug war das Wochenende an Bord an uns vorbeigeschossen. Es hat viel Spaß gemacht und war was ein Junggesellenabschied sein sollte. Etwas, an das man sich gern zurück erinnert, etwas Aufregendes und bissl Draufgängerisches, aber ohne über die Stränge zu schlagen. Ich danke euch Jungs, dass ihr das für mich auf die Beine gestellt habt Christian M., Frank, Patrick, Christian S., Florian und Sandy.

Leider mussten wir Mannschaftsausfälle verzeichnen schon bevor wir überhaupt an den Start gingen. Florian hat sich zwei Wochen vorher beim Downhill-Mountainbiking das Sprunggelenk gebrochen und das nicht mal mit der GoPro aufgezeichnet, für die ich ihm extra meinen Brustgurt geliehen hab ;-) und Christian M., der Hauptorganisator, trifft in der Woche direkt vor der Tour die Rache des Montezuma. Schöner Scheiß könnte man sagen ;-) Naja ihr beiden, wir sind bestimmt mal wieder auf Achse und dann holen wir das nach :-).

Hier könnt ihr euch noch ein cooles Video anschauen. Die hälfte der Szenen sind vom Junggesellenabschied :-)



Euer Markus

Kommentare:

  1. Lustig so einen hut habe ich mir heute im Asia markt in spanien gekauft

    :-)

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  2. Ja die Dinger sind nicht schlecht. Meiner stammt aus Las Vegas. Hab das Teil dort am Pool gekauft. Ist echt top das Ding und macht alles mit :-)

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  3. Also das ist ja mal ne geile Aktion! Egal ob JGA oder einfach für ein sonniges Wochenende mit Freunden. Als Pfälzer hattet ihr bestimmt ausreichend Wein am Start ;-)

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    1. Na aber hallo haben wir es uns gut gehen lassen :D Um ehrlich zu sein hatten wir aber mehr Bier als Wein an Bord :D Auf jeden Fall ist ne Hausboot Tour erste Sahne und ich kanns nur jedem ans Herz legen :D

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  4. Tolle Idee für einen Junggesellenabschied

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